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Knack 2 - Review

Samstag, 07. Oktober 2017 um 09:30 von miperco


Knack erschien im November 2013 als einer der wenigen exklusiven Launch Titel der PlayStation 4. Entwickelt von Mark Cerny, seines Zeichens Systemarchitekt der Konsole, und seinem Team bei Sony Japan, konnte der Titel am Ende passable Verkaufszahlen vorweisen, geriet aber aufgrund seiner wenig überzeugenden Kritiken schnell in Vergessenheit. Daher war es auch sehr unwahrscheinlich, dass wir jemals einen Nachfolger zu Gesicht bekommen werden, bevor uns das Unternehmen im Dezember 2016 eines besseren belehrte.

Auf der PlayStation Experience enthüllt man im vergangenen Jahr den Nachfolger, der auf den simplen Namen "Knack II" hört. Schon im Trailer war zu sehen, dass man sich die Kritik am Erstling zu Herzen genommen hatte und die vielen Unzulänglichkeiten ausbessern wollte. Seit einem Monat ist das Spiel im Handel erhältlich und macht vor allem Eines: Alles besser als sein Vorgänger.

Knack zieht wieder los



Die Geschichte von Knack II setzt einige Jahre nach Teil 1 an und bringt uns die (vielleicht noch) bekannten Gesichter zurück. Knack und seine Freunde stehen vor einer weiteren Gefahr, die nur unser Relikt-Kumpel bewältigen kann. Über 15 Kapitel verteilt, treffen wir neue Figuren und Gegner. Knack kämpft sich durch Scharen von Kobolden und Robotern, um den Frieden in der fiktiven Welt wieder herzustellen. Dabei laufen und springen wir durch schön gestaltete Waldabschnitte, Städte, Höhlen und vieles mehr. Den Entwicklern ist allein durch die Schauplätze eine Menge mehr Abwechslung gelungen. Erneut sieht das Abenteuer zum Anbeißen aus, dazu aber später mehr.


Der kleine Knack ist sehr verwundbar



Die Story ist vielleicht kein Highlight, erfüllt aber ihren Zweck. Zunächst starten wir in der Stadt Newhaven, die Gefahr ist schon allgegenwärtig. Haben wir uns mit Knack vertraut gemacht, erfahren wir den Verlauf der Geschichte von Anfang an, sechs Monate vor dem Angriff auf Newhaven. Gundahar - der große Gegner aus Teil 1 - ist zurück und plant erneut die Vernichtung der Menschheit durch seine Kobolde. Sony Japan versucht diesmal, eine tiefer gehende Backstory aufzubauen, die interessant wirkt, aber noch einige Fragen offen lässt. Ein Twist in der Mitte des Spiels gibt dem Titel eine interessante Wendung. Über die knapp 12 Stunden Spielzeit kommt keine Langeweile auf, dafür sorgt Knack mit seinen zahlreichen neuen Fähigkeiten.

Skills leveln - sehr knackig



Eine der großen Verbesserungen in Sachen Gameplay, ist die Verkleinerung und Vergrößerung von Knack an sich. Im ersten Teil konnte sich Knack nur von seinen Relikten trennen, wenn es das Spiel auch vorsah. Nun können wir frei wählen, wann er klein und groß sein soll. In zahlreichen Abschnitten kommen wir trotzdem nur als kleine Relikt-Figur weiter. Insgesamt haben wir es aus einer Mischung aus Platformer und Brawler zu tun. Knack hüpft an verschiedenen Hindernissen vorbei, knackt (haha) einige simple Rätsel und haut oder tritt danach genüsslich auf seine Gegner ein, bis sich das Ganze wiederholt. Langweilig wird das nicht, da die Entwickler unserem Hauptcharakter ein ganzes Repertoire an neues Moves spendiert haben. Zu Anfang haben wir vier Basisfähigkeiten: Schlag, Tritt, Ausweichen und einen Bauchklatscher. Über das Spiel verteilt erhalten wir neue Fähigkeiten und Moves, können neue Attacken und Bewegungen aber auch über ein Skillsystem erlernen.

Insgesamt stehen mehr als 30 Fähigkeiten zur Verfügung. Durch blaue Orbs, die in der gesamten Spielwelt verteilt sind, können wir Punkte sammeln, die wir anschließend investieren. Sind alle Basisfähigkeiten eines Baums erlernt, erschließt sich ein neuer Talentbaum für Knack. Insgesamt gibt es vier davon, zusätzlich gibt es besonders mächtige Moves, die aber natürlich mehr Punkte kosten. Wer ordentlich sucht, kann bis zum Ende des Spiels alle Basisfähigkeiten erlernen, Moves kombinieren und so sehenswerte Kombos zustande bringen.

QTEs sollen das Spielgeschehen auflockern



Wie schon der erste Teil, ist auch Knack II nicht unbedingt leicht. Gegner und vor allem Massen an Feinden, können schon auf dem normalen Schwierigkeitsgrad für einige Probleme sorgen. Knack muss sich auf sein Ausweichen, das Benutzen des Schildes, das Parieren von Angriffen und Schüssen und dem richtigen Timing von Angriffen verlassen, um heil aus den Kämpfen zu kommen.

Verschiedene Knacks für mehr Knackigkeit



Zum Glück gibt es wieder einige Gadgets, die euch das Leben vereinfachen. In jedem Abschnitt gibt es meist mehrere Truhen, die Teile für Geräte oder Kristalle beinhalten. Die Funktion der Geräte ist unterschiedlich. Durch ein Gerät könnt ihr beispielsweise andere Truhen besser finden, kehrt nach einem Sturz wieder an die Ursprungsstelle zurück oder bekommt einen weiteren Schild in dem ihr andere Reliktenergien erhaltet. Habt ihr genug Kristalle gefunden, könnt ihr euch in einen speziellen Kristallknack verwandeln, der besonders schnell ist oder aufs Kämpfen ausgelegt ist.
In den verschiedenen Levels erhaltet ihr wieder automatisch verschiedene Formen von Knack. In einem ziemlich kalten Level kann sich Knack durch Eiskristalle in "Eis-Knack" verwandeln. Er bekommt dadurch mehr Panzerung und einen speziellen Angriff. Mit seinem eiskalten Atem kann er dann Gegner am Boden festfrieren. Die Puzzles werden in diesen Situationen entsprechend angepasst. Bei "€žEisen-Knack" setzt man auf das Gewicht, bei "Eis-Knack" kommen Spiele mit dem Feuer zum Einsatz und "Tarn-Knack" kann sich in kleiner Version einfach durch Laser schummeln. Wer dann noch die insgesamt vier Super Moves findet und in einigen Arealen spezielle Kristalle aktiviert, kann noch mehr Schaden anrichten.

Das Charakterdesign ist Geschmackssache



Wie schon anfangs erwähnt, macht Knack II grafisch auf jeden Fall einiges richtig. Besonders die Zwischensequenzen sind ansprechend animiert und toll anzusehen. Die Physik-Effekte, wenn Knack sich vergrößert oder verkleinert, sind gut umgesetzt. Leider sind die Umgebungen etwas generisch und auch das Charakter-Design ist Geschmackssache. Hier spricht man auf jeden Fall die jüngere Zielgruppe an, die man mit dem beigefügten Co-Op Modus abholen will. Zu jeder Zeit kann ein zweiter Spieler einsteigen, Gegner mitverkloppen, springen, Panzer oder Roboter steuern. Bei den Plattform-Sequenzen, in denen die Steuerung manchmal nicht optimal ausfällt, muss nur einer der beiden Figuren ankommen. Das sorgt für weniger Frust vor allem bei den Jüngeren. Um das Spiel cineastischer zu gestalten, greift Knack II innerhalb der Level auch vermehrt auf Quick-Time Events zurück. Das bleibt weit hinter dem Prädikat "žanspruchsvoll" zurück, lockert das Spielgeschehen aber weiterhin etwas auf.

Nach dem Durchspielen erhalten Spieler Zugang zu weiteren Modi. Im Time Attack Modus muss sich Knack so schnell wie möglich durch die Levels bewegen. Hier sollte man passenderweise auf eine Form von Kristall-Knack zurückgreifen, der sehr schnell durch die Level flitzt. Zum anderen gibt es auch einen Arena Modus, in dem man so viele Gegner wie möglich in einer gewissen Zeit verkloppen muss. Für das, sowie für das erneute Durchspielen einzelner Abschnitte kann man Medaillen sammeln, was einige Spieler zusätzlich motivieren sollte.

Pro:


+ Ausgewogene und gute Mischung aus Platformer und Brawler
+ Knacks neue Fähigkeiten sind richtig knackig
+ Überraschend langes Abenteuer, das trotzdem nicht zäh wirkt
+ Kämpfe sind fordernder und bieten mehr Tiefgang
+ Netter Co-Op Modus

Contra:


- Leider generische Umgebungen und Charakterdesign
- Feste Kamera, die den Überblick erschwert
- Steuerung manchmal etwas ungenau
- Geschichte nur nettes Beiwerk

Ein knackiges Abenteuer

Knack II macht vieles besser und nichts schlechter als der Vorgänger. Das kann man schon nach der ersten Spielstunde festhalten. Für die rund 40 Euro erhält man ein unerwartet langes Abenteuer, das einen durch die stetig neuen Fähigkeiten bei der Stange hält. Die neuen Moves sind sauber eingebaut und schöpfen zum großen Teil endlich das Potential aus, das bereits Teil 1 vermuten ließ. Knack kann sich vergrößern und verkleinern, wann er will, und die Plattform-Elemente machen im zweiten Teil deutlich mehr Spaß.

Die Kämpfe fordern nun mehr Taktik vom Spieler, da mehr Abwehr- und Kontermöglichkeiten eingebaut wurden. Leider stört bei den einzelnen Abschnitten öfters die feste Kamera, was zu dem ein oder anderen Bildschirmtot geführt hat. Über die Geschichte von Knack II kann man gewissenhaft hinwegsehen. Sie wird zwar nett erzählt und will der Welt weitere Hintergrundfakten hinzufügen, erfüllt aber nur ihren Zweck, ohne besonders mitzureissen. Das generische Design der Umgebungen und Charaktere (außer Knack) stört das Gesamtbild etwas, an einem ändert es aber nichts: Knack II macht Spaß!