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Cuphead - Review

Montag, 09. Oktober 2017 um 07:22 von MeanMrMustard


Lange haben die Entwickler bei Studio MDHR uns warten lassen. Doch jetzt ist es endlich da. Cuphead bietet dem Spieler einen adrenalingeladenen Boss-Rush mit fast zwanzig aufwendig designten Gefechten. Die jeweiligen Kämpfe könnten sowohl audiovisuell, als auch spielerisch kaum kreativer gestaltet sein. Jede Kulisse ist eine absolute Augenweide und jeder Gegner bis ins letzte Detail animiert. Die Kämpfe im Stile alter Run ‘n‘ Gun-Klassiker wie Gunstar Heroes, Metal Slug und Contra sind herausfordernd, aber nie frustrierend. Sie sind so aufgebaut, dass der Spieler, sobald er die Angriffsmuster erst einmal begriffen hat, jedes Mal weiter und weiter voranschreiten kann. Die präzise Steuerung sorgt dafür, dass der Spieler für jeden seiner Fehler selbst verantwortlich ist und niemals das Spiel die Schuld am Scheitern trägt.

Jeder der Bosskämpfe ist in mehrere Phasen aufgeteilt. Die jeweiligen Phasen unterscheiden sich mitunter signifikant voneinander, erfordern vom Spieler ständiges Umdenken und greifen stets flüssig ineinander. Ein Aspekt, den fast alle Kämpfe gemeinsam haben, ist, dass die ersten Phasen primär auf das Erlernen von Angriffsmustern ausgelegt sind, während die späteren Phasen vor allem die Reflexe des Spielers testen. So beugt Cuphead dem wiederholten Spielen der ersten, bereits erlernten Abschnitte vor, nur weil der Spieler noch die Angriffsmuster der letzten Phasen erlernen müsste. Mit ein wenig Fingerspitzengefühl lassen sich nämlich die meisten finalen Phasen der Bosse schon beim ersten oder zweiten Versuch meistern.

Ein weiterer genialer Kniff ist, dass nach jedem Kampf ein Fortschrittsbalken eingeblendet wird, der anzeigt, wie weit der Spieler im Kampf, bzw. in der jeweiligen Phase des Kampfes vorangeschritten ist. In Kombination mit der Funktion, jeden Kampf (bis auf einen) im Bruchteil einer Sekunde neu beginnen zu können, motiviert diese Designentscheidung dazu, jeden Level so lange zu versuchen, bis der Widersacher in einer imposanten „Knockout!“-Animation niedergestreckt ist. Noch dazu dauert jede Phase eines Bosses ohnehin kaum 30 Sekunden. Erneute Versuche nehmen also nie viel Zeit in Anspruch.



Damit das Bekämpfen der zahlreichen Bosse nicht eintönig wird, haben die Entwickler außerdem einige klassische Sidescroller-Level eingebaut, die die Jump ’n‘ Run-Fähigkeiten der Spieler auf die Probe stellen. Auch diese sind äußerst abwechslungsreich und dauern nie so lange, dass sie langatmig oder frustrierend werden könnten. Ein weiteres Highlight stellt das halbe Dutzend Bosskämpfe dar, das in Form eines klassischen Sidescrolling-Shoot ‘em Ups daherkommt. Der Spieler schwingt sich also in ein Flugzeug und darf sich dann gegen Bosse behaupten, die nicht selten eine waschechte Bullethell heraufbeschwören. Die grundlegenden Kompetenzen, die Cuphead hier vom Spieler erfordert, bleiben gleich – aber die Spielmechaniken selbst werden komplett auf den Kopf gestellt und sorgen buchstäblich für frischen Wind.

Sämtliche Levelvariationen von Cuphead – klassische Bosse mit zentrierter Kamera, Sidescrolling-Run ’n‘ Gun-Level sowie Fluglevel – sind perfekt ausbalanciert und lassen sich, sofern der Spieler das nötige Können mitbringt – fehlerfrei bewältigen. Wer ein wenig Respekt vor dem Schwierigkeitsgrad von Cuphead hat, darf jeden Boss wahlweise auch in einer simpleren Variante bekämpfen. Außerdem ist das komplette Spiel im lokalen Koop spielbar. Mit zwei Spielern gegen die Bosse anzutreten, sorgt für einen Vorteil in der Angriffsstärke. Es bringt aber auch gleichzeitig den Nachteil mit sich, dass das ohnehin schon rasante Geschehen noch ein Stück unübersichtlicher und chaotischer wird. Sonstige Abstriche bringt der Koop-Modus aber nicht mit. Lediglich in den Sidescrolling-Leveln kommt es häufiger zu dem Problem, dass einer der Spieler dem anderen wegläuft und es deshalb zu einem Streit um die Kamera kommt – ein Problem, das man in Abschnitten mit starken Platforming-Elementen, die schnelle Reflexe erfordern, nur schwer umgehen kann.

Hat man die Hauptstory des Spiels erledigt, sorgt das Perfektionieren der Ränge in den Kämpfen, sowie das Herumexperimentieren mit verschiedenen freischaltbaren Waffen, Fähigkeiten und Superangriffen für Langzeitmotivation. Denn ganz ehrlich – der 30er-Jahre Cartoon-Stil von Cuphead ist so atemberaubend schön inszeniert, dass selbst die knappen sechs bis zehn Stunden für die Hauptstory nicht ausreichen, um sich an ihm sattzusehen. Cuphead ist eines der schönsten Spiele, die uns diese Konsolengeneration bisher beschert hat – und das ganz ohne aufwendige Polygongrafik.

Zusätzliche Anmerkungen:


Pro:


+ grandioser Jazz-Soundtrack, eingespielt von Live-Musikern
+ authentisches Sounddesign
+ Anspielungen auf andere Spielereihen
+ flüssige 60fps
+ noch härterer Schwierigkeitsgrad nach dem Durchspielen
+ freie Tastenkonfiguration möglich

Contra:


- lange Ladezeiten bei Verlassen eines Levels...
- ...um Fähigkeiten/Ausrüstung zu wechseln, muss der aktuelle Level verlassen werden
- einige Angriffsmuster der Bosse zu überladen
- gelegentlich unfaire Momente in zufälligen Angriffsmustern
- Ladezeiten zwischen Phasenwechsel in einem bestimmten Bosskampf
- kein Online-Koop (soll evtl. nachgereicht werden)



Mehr als nur eines der besten Action-Spiele des Jahres

Cuphead hat lange auf sich warten lassen und die himmelhohen Erwartungen doch übertroffen. Ein absoluter Pflichttitel des Action-Genres mit bahnbrechender und einzigartiger Ästhetik.

Allein der Gedanke daran, erneut ins Spielgeschehen einzutauchen, löst Glücksgefühle aus. Es hat den perfekten Umfang, lässt aber trotzdem den Hunger nach dutzenden erneuten Spieldurchläufen zurück.